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"Zusatzjobs" dürfen Ehrenamt nicht verdrängen Standpunkte der Caritas-Konferenzen Deutschlands e.V. zur Schaffung von Arbeitsgelegenheiten im sozialen Bereich
Anlässlich der Debatte um die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten im sozialen Bereich im Rahmen von Hartz IV gibt der Bundesvorstand der Caritas-Konferenzen Deutschlands e.V. (CKD) folgende Standpunkte heraus:
1. Arbeit bietet die unschätzbare Möglichkeit, sich als Teil der Gesellschaft zu erleben und diese mitzugestalten. Arbeiten zu können ist somit essentieller Teil der Menschenwürde. Erwerbsarbeit sichert darüber hinaus die materielle Existenz und schützt damit vor Armut und sozialer Ausgrenzung.
2. Die CKD begrüßen grundsätzlich die mit dem Namen Hartz IV verbundene Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Die Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten bietet die Möglichkeit einer sinngebenden Tätigkeit nach zu gehen unter der Voraussetzung, dass die Maßnahmen grundsätzlich mit einer Qualifizierung für den 1. Arbeitsmarkt verbunden sind und eine Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Tätigkeitsfeldern garantiert wird.
Die Arbeitsgelegenheiten dürfen grundsätzlich keine im 1. Arbeitsmarkt bestehenden Arbeitsplätze gefährden und dürfen ehrenamtliches Engagement weder ersetzen noch verdrängen. Sie müssen daher zusätzlicher Natur sein.
Die CKD sehen es aber auch als ihre Aufgabe an, schon im Vorfeld auf die Risiken der neuen Gesetzgebung aufmerksam zu machen. Durch die Einführung des SGB II werden künftig mehr Menschen auf Armutsniveau leben müssen. Dies betrifft insbesondere auch Kinder und Jugendliche mit ihren Familien. Sie werden schmerzhafte Einschränkungen in ihrer persönlichen Lebensführung hinnehmen müssen.
3. Die Mitarbeiter/-innen der CKD engagieren sich ehrenamtlich als Gruppen in Kirchengemeinden, Projekten und Einrichtungen wie z. B. Altenheimen und Krankenhäusern. Hier entstehen durch die Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten im sozialen Sektor direkte Schnittstellen mit ehrenamtlichen Arbeitsfeldern. Die CKD sehen die Chance, das Spektrum der sozialen Dienstleistungen zu erweitern und damit Lebensqualität Notleidender zu verbessern. Gleichzeitig fordern sie, die Schnittstelle zum langjährig gewachsenen sozialen Ehrenamt konstruktiv zu gestalten: Ehrenamtlich Mitarbeitende dürfen nicht mit der Schaffung zusätzlicher Arbeitsgelegenheiten verdrängt werden und können auch später nicht ersatzweise in die Lücken einspringen, die nach Wegfall der Förderung zusätzlicher Arbeitsgelegenheiten entstehen werden. Eine Verdrängung ehrenamtlich Engagierter durch die Schaffung sogen. 1-EURO-Jobs wirkt sich kontraproduktiv für alle Bestrebungen zum Erhalt bzw. Aufbau einer solidarischen Gesellschaft aus.
Vor allem in Einrichtungen wie Krankenhäusern und Altenheimen aber auch in den Diensten im sozialen Raum bringen Ehrenamtliche ein hohes Maß an Kontinuität ein und leisten tragfähige Beziehungsarbeit, die in dieser Qualität nicht durch befristet Beschäftigte ersetzt werden kann.
Die CKD fordern daher alle Entscheidungsträger in sozialen Einrichtungen und Diensten auf, die Arbeitsfelder für sogenannte 1-EURO-Jobs auch mit den ehrenamtlich Tätigen abzustimmen und für klare Aufgabenprofile Sorge zu tragen.
4. Die CKD haben im Rahmen unterschiedlicher Projekte (z.B. Sozialwarenhäuser, Tafeln, Arbeitslosenprojekte ...) Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Arbeitslosen und werden nach ihren Möglichkeiten und aufbauend auf ihren Erfahrungen daran mitwirken, Arbeitsgelegenheiten im sozialen Sektor zu gestalten.
Unter dem Dach der CKD haben sich ca. 80.000 ehrenamtlich engagierte Frauen und Männer in Deutschland organisiert.
Freiburg, 29.11.2004
Maria Loers
Bundesvorsitzende
Margret Kulozik
Bundesgeschäftsführerin
http://www.ckd.caritas.de/

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