| Ehrenamt in den Bistümern: |  | |  | |  | |  | |  | |
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  Samstagmorgen um 8:00 Uhr, ein wolkenverhangener Tag in Düsseldorf. Im St. Ursula-Gymnasium in der Altstadt bereiten Ehrenamtliche einen Wohlfühlmorgen für Obdachlose vor. Sie begreifen ihren Dienst als "Ehrensache".
Vor dem Hintereingang des St.-Ursula-Gymnasiums in der Altstadt stehen und sitzen ein gutes Dutzend Männer. Ungepflegte Haare, angeschmutzte, manchmal löchrige Kleidung, grobe rissige Haut, faltige erschöpfte Gesichter, heiseres Zahnlücken-Gelächter - der Volksmund würde sie "Penner" schimpfen. Die Männer warten.
Im Treppenhaus hinter der gläsernen Eingangstür der Schule herrscht inzwischen rege Geschäftigkeit. Petra Odenweller schneidet Fleischwurst in dicke Scheiben und drapiert sie auf großen Silber-Tabletts. Engelbert Tubes stellt Biertische auf, seine Frau Rosemarie breitet Tischdecken aus und setzt kleine Blumen auf die Tische. Jemand kocht Eier, ein anderer schneidet Brot. Vom Treppenabsatz hängt eine rote Fahne mit achtspitzigem Kreuz. Hier sind ehrenamtliche Malteser im Einsatz.
Punkt 8.30 Uhr wird der "Wohlfühlmorgen" für Obdachlose eröffnet. Brav stehen die Wartenden am Frühstücksbüfett an. Hier können sie auswählen, was sie essen wollen, ob Brot mit Wurst, Früchte oder Müsli, Jogurt oder Eier. Die Wahl zu haben, Zeit zu haben, einen Platz zu finden, Gemütlichkeit zu erhaschen, leise Musik im Hintergrund - und Menschen, die zuhören, alles das trägt zum Wohlfühlen bei. Die Gäste können im Untergeschoss die warmen Duschen benutzen, es liegen Duschgel, Handtücher und Rasierzeug bereit, auf dem Parkplatz steht ein umgebautes Wohnmobil, in dem ein Arzt der "Medizinischen Hilfe für Wohnungslose" bereitsteht.
Es gibt in Düsseldorf eine Armenküche und "Die Tafel", Bekleidung wird gespendet und weitergegeben, die Grundbedürfnisse scheinen durch bestehende Institutionen abgedeckt. In einer Zeit, in der Wellness das angestrebte Freizeitziel der Wohlstandsbürger ist, entstand dann die Idee, den Wohnungslosen und Armen eine Zeit der "Wellness", des Wohlfühlens, zu schenken.
Was motiviert Menschen, alle sechs Wochen einen ganzen Samstag von morgens sechs bis abends 18 Uhr zu opfern, dazu freitags vorbereiten, montags nachzubereiten? "Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen" lautet der Leitsatz des Malteser-Hilfsdienstes. Engelbert Tubes ist pensionierter Handwerker, seine Frau Hausfrau, Petra Odenweller arbeitet als Sekretärin in einem Krankenhaus. "Unser Team hat sich nicht auf Soziales spezialisiert, sondern wir sind Malteser, die sich dieser Aufgabe gestellt haben", sagt Hans Tophofen, der Initiator des Wohlfühlmorgens. Er ist im normalen Beruf Gebietsleiter einer Firma für Notfallmedizin. Seine Freizeit aber schenkt er seiner Überzeugung: "Ich bin nicht bloß Mitglied beim MHD, ich bin Malteser", sagt Tophofen.
Angenehm überrascht
Der "Wohlfühlmorgen" für Obdachlose - das ist kein Kaffeekränzchen für Gutsituierte, sondern konkrete soziale Hilfe. Beim ersten Mal haben sie alle Herzklopfen gehabt, mussten sich überwinden, den Gestank und die gängigen Vorurteile ignorieren. "Wir waren alle angenehm überrascht", sagt Petra Odenweller. "Die Leute warten nur darauf, sich mal duschen zu können, für sie ist das ein Aha-Erlebnis, sich als Mensch zu fühlen." Manche hatten einen guten Beruf, waren Arzt oder Rechtsanwalt, sind manchmal durch ein Unglück oder die Scheidung reingerutscht in die soziale Schieflage. Und dann vom Alkohol nicht abgekommen. "Viele brauchen einen Zuhörer", erklärt Petra Odenweller."Man muss ein christliches Fundament und eine tiefe Überzeugung mitbringen", erklärt Tophofen die Motivation. 1964 hat er einen Erste-Hilfe-Kurs mitgemacht, seitdem ist er dabei. "Ich habe Menschen kennen gelernt, die mich begeistert haben, und Erlebnisse gehabt, die mich und mein Leben geprägt haben", sagt er. 4500 Mitglieder zählt der MHD in Düsseldorf, davon sind etwa 200 im engeren Sinn aktiv. Rund 80 Malteser bilden zwei Katastrophenschutzzüge. Hauptamtliche Malteser sind eingebunden in den Rettungsdienst der Stadt Düsseldorf, die Hilfsorganisation ist ausschließlich verantwortlich für den Krankentransport. Ehrenamtlich dagegen wieder der Sanitätsdienst, beispielsweise bei den Heimspielen der DEG, des Eishockeyclubs, aber auch bei Tennis-Turnieren am Rochusclub, bei Reitturnieren oder Konzerten in der Düsseldorfer Philippshalle.Und wenn sich nicht genügend Freiwillige für einen Einsatz zusammenfinden? "Dann wird telefoniert", sagt Tophofen. Schließlich ist es eine Ehrensache, dass der zugesagte Dienst nicht ausfällt. Das leuchtet ein, außerdem gibt es Kooperationen mit den Maltesern der umliegenden Städte wie Ratingen und Mettmann, die gerne einmal aushelfen. Das Projekt "Wohlfühlmorgen für Obdachlose" ist trotzdem etwas Besonderes. Denn es verändert auch die Helfenden. Es trägt mit dazu bei, die Akzeptanz der Zielgruppe auch in den eigenen Malteser-Reihen zu erhöhen. Und bei den aktiven Helfern und Helferinnen löst es eine so tiefe emotionale Anteilnahme aus wie keine Unternehmung der Malteser in Düsseldorf jemals zuvor.

| Malteser-Hilfsdienst (MHD) |
 Der MHD ist ein Werk des Malteser-Ordens und leistet in Deutschland Sanitätsdienst, Katastrophenschutz und soziale Dienste. Vor 50 Jahren begann er mit Erste-Hilfe-Kursen in Paderborn und Münster seine Arbeit. 1955 wurde der katholische Verband vom deutschen Zweig des Malteserordens und dem Deutschen Caritasverband offiziell gegründet. Sitz ist Köln. In Nordrhein-Westfalen zählt der MHD heute rund 230000 Fördermitglieder, darunter 20000 ehrenamtliche Helfer. Zusammen mit rund 1000 Zivildienst-leistenden und 1000 hauptamtlichen Helfern fuhren sie im Jahr 2001 202686 Einsätze im Rettungswesen, lieferten mehr als eine Million Essen aus und bildeten 67000 Menschen - zumeist Führerschein-Bewerber - in erster Hilfe aus. Weitere Einsatzgebiete sind unter anderem der Behinderten-Fahrdienst, Kranken- und Behindertenbetreuung, Hausnotruf und zunehmend auch ehrenamtliche Sozialdienste. 1979 begann der Verband mit dem Aufbau der Malteser-Jugend, der in NRW heute 2075 Mitglieder angehören. Seit 1990 ist der MHD außerdem in der Hospizarbeit aktiv. Weitere Arbeitsbereiche sind Auslandseinsätze für Flüchtlinge, Hungernde, Kriegs- und Katastrophenopfer. Zum MHD gehört mit der Malteser Trägergesellschaft auch ein Zweig, der Krankenhäuser betreibt.
Kontakt:
Malteser-Landesgeschäftsstelle NRW
Kalker Hauptstr. 22-24
51103 Köln
Tel. 0221/ 9822360

 Der Malteser-Hilfsdienst, der als Logo das weiße achtspitzige Malteser-Kreuz auf rotem Grund verwendet, steht in der Tradition des Malteser-Ordens, der in Deutschland etwa 500 Mitglieder zählt. Die Geschichte des Ordens beginnt während der Kreuzzüge. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde er als Hospitalbruderschaft des Heiligen Johannes zu Jerusalem gegründet und hatte die Aufgabe, kranke Pilger zu betreuen. Motto: tuitio fi dei et obsequium pauperum - Wahrung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen. Nach dem Abzug der Kreuzfahrer zog der Orden über Zypern nach Rhodos, wo er die staatliche Souveränität erlangte, die bis heute erhalten blieb. 1530 erhielt der Orden von Kaiser Karl dem V. die Insel Malta. 1798 zwingt Napoleon den Orden, die Insel zu verlassen, 1834 wird Rom Sitz des Malteserordens, wo bis heute das Großmeisterpalais auf dem römischen Aventin unter dem Schutz der Exterritorialität besteht. Damit ist der Orden noch vor dem Vatikan der kleinste Staat der Welt: mit eigenem Autokennzeichen (SMOM), Briefmarken sowie Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen, im Europarat und der EU-Kommission. Der Orden hat eine Regierung, eine unabhängige Gerichtsbarkeit und unterhält bilaterale diplomatische Beziehungen zu 92 Staaten.

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