| Ehrenamt in den Bistümern: |  | |  | |  | |  | |  | |
|
  Anne Müller (17) trifft sich einmal in der Woche mit Vivien (8), das fördert ihre Entwicklung und macht beiden Spaß. Im Mentorenprogramm "Balu und Du" betreuen junge Erwachsene auf freiwilliger Basis Kinder, die jemanden brauchen, der sich regelmäßig Zeit für sie nimmt. So werden durch freundschaftliche Unterstützung intellektuelle und soziale Kompetenzen gefördert.
Vivien reitet ohne Sattel und nur mit Zaumzeug, geführt von Anne Müller. Gemütlich trottet Schimmel "Snoopy" mit durch die herbstlichen Felder. Seit fast einem Jahr treffen sich die beiden Mädchen einmal in der Woche für zwei bis drei Stunden. Oft unternehmen sie etwas draußen, denn Vivien hat sechs Geschwister und zu Hause nicht so viel Platz. Sie gehen schwimmen oder Eis essen oder fahren zusammen Inliner. Oder sie treffen sich bei Anne zu Hause, backen, spielen Schwarzer Peter oder Memory.
Die Treffen finden im Rahmen des Programms "Balu und Du" statt, das vom Diözesan-Caritasverband Köln und der Universität Osnabrück initiiert wurde. Mit dem ehrenamtlichen Projekt werden Kinder im Grundschulalter gefördert. Die Kinder sollen - neben Familie und Schule - eine weitere Chance erhalten, ihre Fähigkeiten zu stärken und ihre positiven Anlagen zu entwickeln. Jedem Kind (Mogli) wird für mindestens ein Jahr ein Mentor (Balu) zur Seite gestellt. Vorbild und Namensgeber ist dabei die Geschichte vom Dschungelbuch: Der große und erfahrene Bär Balu, der weiß, wie es im Dschungel zugeht, begleitet das Menschenkind Mogli ein Stück durch die Wirren des Alltagslebens. Er beschützt es, bringt ihm die Regeln des Zusammenlebens bei, lehrt es, dass man sich auf gute Freunde verlassen kann, und bringt es sicher zum Dorf der Menschen, wo der gemeinsame Weg endet. Die beiden lassen es sich zusammen gut gehen, schwimmen, tanzen, singen und streifen durch den Wald, erleben Abenteuer und überstehen Gefahren.
Gefährlich wie im Dschungel ist der Alltag in Langenfeld zwar nicht, aber voller neuer Entdeckungen und Herausforderungen. Vivien hat mit Anne viel mehr Sicherheit beim Inliner-Fahren bekommen und läuft und bremst jetzt sicher. Auch das Backen war schön: Die Küche war zwar voller Mehl, aber die Plätzchen lecker. Anne ist auf einem Pferdehof zu Hause, da hat es sich von selbst ergeben, dass Vivien lernt, mit Annes Pferd Snoopy umzugehen. Sie hilft beim Säubern der Hufe, striegelt das Fell und kämmt die Haare, belohnt Snoopy mit einer Möhre und darf natürlich reiten. All das ist ganz im Sinne des Projektes: Die Mentoren ("Balus") stehen den "Moglis" in einer Entwicklungsphase zur Seite, die nicht immer einfach ist, dafür aber für das weitere Leben prägend. Die Kinder machen neue Erfahrungen und erhalten außerschulische Lernanregungen. Hausaufgabenhilfe steht nicht im Mittelpunkt des Projektes, stattdessen soll informell die Lernfreude geweckt werden.
Mogli und Balu erzählen sich inzwischen auch bei jedem Treffen, wie die letzte Woche war, was in der Schule passiert ist, wie es mit den Eltern, Geschwistern und Freunden läuft. Anne ist selbst Schülerin am Berufskolleg in Leverkusen-Opladen, will im nächsten Jahr das Fachabitur machen und dann eine Ausbildung als Erzieherin oder Arzthelferin machen. Am Berufskolleg wird die Teilnahme am Projekt "Balu und Du" im Rahmen einer AG mit derzeit 15 Teilnehmern angeboten. Das sichert die notwendige Begleitung und die Verbindlichkeit bei der Teilnahme. Einmal monatlich findet ein Austausch der Ehrenamtlichen in Begleitung einer Lehrerin und einer Sozialpädagogin vom Sozialdienst katholischer Frauen aus Langenfeld statt. Und wöchentlich schreiben die "Balus" Tagebuch über ihre Erlebnisse.
Kerngedanke bei der Entwicklung von "Balu und Du" war die Idee der Laienkompetenz. "Ehrenamtliche sind in bestimmten Bereichen mindestens genauso wirksam wie Hauptamtliche", sagt Dominik Esch (Köln), einer der Koordinatoren und Geschäftsführer des "Balu und Du e.V.". Diese Art einer freundschaftlichen Beziehung zwischen einem Kind und einem jungen Erwachsenen wirke präventiv, "weil ein verarmtes soziales Handlungsrepertoire erweitert wird, weil über ethische Normen gesprochen wird, weil Kompetenzen für prosoziales Verhalten informell erlernt werden oder weil positive Assoziationen mit der Überwindung aggressiven Verhaltens gestiftet werden", heißt es in der ausführlichen Selbstbeschreibung des Projektes.
Auf unspektakuläre Weise und quasi nebenbei passieren so "großartige Sachen", sagt Esch. "Die Kommunikationsfähigkeiten der Kinder verbessern sich, das Konfliktverhalten entschärft sich, und die Einbindung in den Klassenverband wird gefördert."
Anne Müller beschreibt das nach gut einem Jahr so: "Am Anfang war Vivien sehr schüchtern und hat sich nicht viel getraut. Jetzt erzählt sie viel mehr von sich und ist auf jeden Fall selbstbewusster geworden."
Markus Lahrman
Die Universität Osnabrück und der Diözesan-Caritasverband Köln initiierten 2002 das Programm "Balu und Du" mit Eigen- und Fördermitteln. Aktuell hilft eine großzügige Förderung durch die Aktion LICHTBLICKE für Kinder und Familien in NRW in Not. Das Programm läuft im Erzbistum Köln, in der Region Osnabrück und seit kurzem auch in Hamm, Ibbenbüren, Hannover, Berlin, Dresden sowie in Wien.
Interessierte Schulen, Verbände oder Ehren-amtliche wenden sich bitte an:
Balu und Du e.V.
www.balu-und-du.de
Tel. 02 21 / 20 10-3 26


|
|
|

7229 Kontaktaufnahmen




 win-win für Alle!
Auftaktveranstaltung am 8. Dezember 2010
win-win für Alle! ist ein ESF-Projekt (ESF=Europäischer Sozialfonds) der fünf Diözesancaritasverbände in NRW. Ziel des Projektes ist es, das Ehrenamts- management und das neue Berufsprofil der Ehrenamts koordinatorin/des Ehrenamtskoordinators in den Blick zu nehmen, weiter zu entwickeln und in den Diensten und Einrichtungen der Caritas in NRW zu etablieren.
mehr



 Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011
Das europäische Jahr der Freiwilligen zur aktiven Bürgerschaft 2011 steht unter dem Slogan: "Freiwillig. Etwas bewegen! " Neben regionalen und nationalen Großveranstaltungen wird es voraussichtlich viele individuelle Veranstaltungen und Aktivitäten geben, die das Thema und das Ziel einer aktiven Bürgergesellschaft aufgreifen.
mehr


 Caritas in NRW
Die Zeitschrift der Caritas zu sozialpolitischen Themen in NRW.
mehr




|
|